Die Schlüsselsuche im Tiefschnee – der Winter ist noch lange nicht vorbei




Am späten Nachmittag des 17. Januar wurde ich auf Facebook von einer Freundin unter einem Beitrag einer Gruppe im Raum Sigmaringen namentlich verlinkt. Bei diesem Beitrag suchte eine Userin dringende Hilfe und fragte leihweise nach einem Metalldetektor für einige Stunden. Ihr Ehegatte hatte beim Spielen im Tiefschnee mit den Kindern und dem Hund seinen Schlüsselbund verloren.

Ich habe der Frau dann eine Nachricht über den Messenger geschrieben, und ihr erklärt, dass ich erfahrener Sondengänger sei und ihr bei der Suche gerne behilflich wäre. Nach einigen Schriftwechseln wurden mir genauere Details mitgeteilt und auch ein Ort genannt, den ich zuvor tatsächlich noch nie gehört habe. Der Schlüsselbund war bereits am Samstag bei Scheer, einem Ort an der Donau, verloren gegangen im Tiefschnee, welcher fast kniehoch war. Wir vereinbarten, uns am folgenden Tag gegen 10 Uhr in Scheer zu treffen und danach zu suchen.


Da ich tatsächlich noch nie im Tiefschnee gesucht habe, ich nicht wusste, wie hoher Schnee die Signale durchlässt, und mir auch andere Sondengänger kaum Erfahrungsberichte dazu mitteilen konnten (in den wenigsten Gebieten schneit es überhaupt mal so viel), tendierte ich dazu, meine große Spule an meinem Gerät zu installieren, da diese für die Tiefensuche wesentlich effektiver und vorteilhafter ist.


Am nächsten Morgen startete ich bei zwei Grad Celsius und Tauwetter aus meinem Heimatort. Nach knapp eineinhalb Stunden Fahrt war ich in Scheer, bei minus einem Grad und schätzungsweise 30 cm Schnee, etwas verspätet angekommen. Ich wurde bereits am Treffpunkt freudig von dem Ehemann der Frau empfangen und wir starteten unverzüglich zum Verlustort.


Die Fahrt zum Verlustort ging durch Scheer hindurch und über einen geräumten, aber dennoch etwas verschneiten Feldweg – unweit der Donau – an dem wir nach einigen hundert Metern anhielten, wo dann nicht mehr geräumt war. Ich stellte mich nochmals vor und lies mir die genauen Verlustumstände von erster Hand erklären, während ich mein Gerät zusammenbaute. Interessant empfand ich bei diesem den Ideenreichtum, die bis dahin bereits in die Suche eingeflossen war. So erklärte er mir, dass er noch am selben Tag erfolglos mit einem Rechen die Fläche abgesucht hatte, bzw. am darauffolgenden Tag mit einem geliehenen, weit einfacheren Metalldetektor (Spulendurchmesser etwa zehn Zentimeter) als ich ihn habe, ebenso erfolglos bereits nach dem Schlüsselbund suchte. Im Rahmen dieser Unterhaltung erklärte ich ihm, dass man zwar auch mit einfachen Geräten die Möglichkeit hat, bei einer gezielten Suche das Objekt tatsächlich zu finden, allerdings mangelnde Erfahrung im Handling mit dem Gerät, sowie die falsche Technik beim schwingen des Gerätes (die Spule muss beispielsweise immer parallel zur Bodenoberfläche sein) dazu führen können, dass die Suche dann doch recht häufig erfolglos bleibt.


Wir liefen den Weg im Tiefschnee weiter, den man nur deshalb erkennen konnte, weil dort Autospuren waren. Nach ca. 150 Metern stand dort der Passat des Mannes, ein älteres Modell, das tatsächlich noch keinen Funkschlüssel hatte, auf dem verschneiten Weg. Zu meiner Verwunderung wurde mir erzählt, dass man mit dem Ersatzschlüssel zwar das Fahrzeug öffnen und schließen konnte, aber seltsamerweise nicht starten, warum auch immer. Und so stand dieses Fahrzeug seit Samstag an diesem Ort. Auf der einen Seite des Weges befand sich ein kleiner See, auf der anderen offenes Feld. Glücklicherweise konnte man durch die Spuren im Tiefschnee erkennen, in welchem Rahmen sich das Suchareal eingrenzt. Ich habe wie gewohnt sofort mit der Suche begonnen und zunächst den kurzen Weg zum Uferbereich des Sees abgesucht. Dort konnte ich zwar einige Kronkorken und Abziehlaschen ausgraben, jedoch nicht den Schlüsselbund. Nachdem ich diese Seite des Weges fertig hatte, wurde mir erklärt, dass er kurz nach Hause müsste, und ob ich Lust auf ein Warmgetränk hätte. Ich habe ihm erklärt, dass ich Kaba bevorzugen würde und es toll wäre, wenn ich ihm den Schlüssel schon geben könne, wenn er wieder kommt. Ich habe also mit der anderen Seite weitergemacht, glücklicherweise konnte man genau sehen an den Bahnen, die bereits mit dem Rechen gezogen wurden, wo in etwa zu suchen war. Ich lief also die Bahnen und auch großflächig den Bereich im etwas angehäuften Bereich daneben ab. Tatsächlich hatte ich ein erstes Signal, ich kniete mich hin, und suchte mit dem Pinpointer im Schnee. Nachdem dieser angeschlagen hatte und ichetwas Schnee zur Seite getan hatte, stellte ich fest, dass es sich lediglich um das Aluminiumpapier einer Zigarettenschachtel handelte. Ich lief also weiter die Bahnen entlang. Nachdem ich etwa die Hälfte der Gesamtfläche fertig hatte musste ich schon überlegen wo ich bereits gesucht hatte und mich orientieren. Ich lief dann eine noch nicht näher abgesuchte Bahn ab. Plötzlich hatte ich etwa 30 bis 40 cm neben der Bahn ein leicht springendes Signal in dem etwas angehäuften Schnee daneben. Ich kniete mich erneut hin, ging mit dem Pinpointer in den etwa 40 cm tiefen Schnee an dieser Stelle. Als der Pinpointer recht schnell anzeigte, dass dort etwas sein musste, ahnte ich, dass dies der Schlüssel sein könnte. Ich habe den Schnee zur Seite getan und sah im unteren Viertel den Schlüssel des Passat am Schlüsselbund. Ich habe den Schlüssel an die Oberfläche des Schnees gelegt und ein Bild an die Frau gesendet und gefragt, ob das der vermisste Schlüssel ist und ob sie den verdächtigen identifizieren könne. Nachdem ich eine Zigarette angezündet hatte bekam ich auch schon eine freudige Antwort. Und als kurze Zeit später ihr Ehemann wieder kam, wusste er schon von der freudigen Nachricht. Er hat den Schlüssel an sich genommen und fuhr mit dem Passat vor zu meinem Auto, während ich mein Gerät im Rucksack verpackt habe. An den Autos erwartete mich dann eine Thermoskanne mit Kaba und eine kleine Überraschung, eine leckere Portion Spaghetti Bolognese, für die ich mich nochmals herzlich bedanken möchte.


Wir sind dann nach einer sehr angenehmen Unterhaltung zurück nach Scheer gefahren, wo eine glückliche Frau, das Fahrgeld und ein Bonus für die erfolgreiche Suche nach dem Schlüsselbund auf mich wartete.


Ich freue mich sehr, für Ringfinder.eu einen weiteren erfolgreich abgeschlossenen Suchauftrag verbuchen zu können, ein Ehepaar glücklich und zufrieden gemacht zu haben und bedanke mich herzlichst bei der Freundin, die mich unter dem Beitrag auf Facebook überhaupt erst verlinkt hatte.

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