Die lange Suche im Schnee




Am 8. Januar 2021 erreichte mich um die Mittagszeit die Nachricht, dass ein Pärchen zwei Tage zuvor bei einer Ausfahrt mit dem Snowboard in Ulm einen Autoschlüssel – vermutlich bei der Abfahrt – im Schnee verloren hat. Um mehr Hintergründe erfahren zu können, wurde mir eine Telefonnummer zugespielt, mit der ich dann auf WhatsApp geschrieben habe. Nach einigen Schriftwechseln wurden mir die Verlustumstände genauer beschrieben und der Verlustort zugesandt. Wir haben dann vereinbart, uns schnellstmöglich dort zu treffen. Gegen 14 Uhr fand ich mich in einer winterlichen Landschaft mit etwa zehn Zentimetern Schnee bei -1°C, leichtem Wind und teilweisem Sonnenschein wieder.


Ich wurde am Treffpunkt bereits hoffnungsvoll erwartet und am Auto abgeholt. Der Weg zum Verlustort ging über eine Straße, sowie eine beschneite Wiese, zu einem Hang an einer Schule mit schätzungsweise sieben bis acht Metern Höhenunterschied, der nach unten hin flach ausläuft und mittig durch Bäume in zwei nebeneinanderliegende Hänge unterteilt ist. Der unten flach auslaufende Bereich war durch einen Weg von einer anderen beschneiten Grünfläche mit einem kleineren Hang (etwa nochmals zwei Meter Höhenunterschied), an dem eine kleine Schanze angehäuft wurde, getrennt. Nach einigen Wortwechseln und der Besichtigung des Verlustortes nahm ich an, dass der Auftrag nicht einfach werden würde, da zum einen die Fläche mit schätzungsweise 1000 Quadratmetern recht groß war und mir zudem nicht genau klar war, mit welchem Wert der verlorene Funkschlüssel bei meinem Gerät wohl angezeigt werden würde.


Ich habe selbstverständlich unverzüglich mit der Suche nach dem Schlüssel begonnen und nebenher die Vorgehensweise erklärt, sowie eigene Erfahrungen und lustige Erlebnisse in Verbindung mit meinem Hobby wiedergegeben. Im Verlauf dieser Unterhaltung erfuhr ich auch, dass ein Anwohner auf die Idee mit der Metalldetektorsuche gekommen war und Ringfinder.eu erst durch eine kleine Internetrecherche eher zufällig entdeckt wurde. Ich bin dann Bahn für Bahn rückwärts den ersten Hang hinunter und wieder hoch und habe bei jedem Signal mit meinem Pinpointer auf Knien die Oberfläche abgesucht. Wenn ich ein Signal spannend fand, dann habe ich auch – wenn nicht tief – etwas gegraben, denn es hätte auch durchaus möglich sein können, dass der Untergrund aus Laub besteht oder der Schlüssel durch andere Snowboarder oder Schlittenfahrende in den Untergrund eingedrückt wurde. Ich wollte jedenfalls von vornherein ausschließen, etwas zu übersehen. Natürlich hat diese Technik rückblickend viel Zeit in Anspruch genommen, aber bei einer Auftragssuche ist die Zeit zweitrangig, der Erfolg zählt.


Nachdem ich den ersten Hang leider ohne Schlüssel abgesucht hatte, habe ich bei dem daneben mit der gleichen Technik weitergemacht. Gegen 17 Uhr, nachdem die Sonne bereits untergegangen war wurde es dann immer dunkler, glücklicherweise hatten wir an dem Weg etwas Beleuchtung, die sich dann eingeschaltet hatte. Es waren zwar an beiden Hängen ordentlich Signale vorhanden, und es kamen auch viele Kronkorken, Drahtteilchen, Nägel, Alufolie und sogar ein abgebrochener Flaschenhals einer Sektflasche zum Vorschein, aber nicht der Schlüssel.


Nach einer kurzen Pause habe ich dann am unteren Bereich mit der Schanze weitergemacht, an dem auch im unteren Bereich der Grünfläche ein Schneehaufen aufgeschichtet war. Dieser wurde am selben Abend von dem Pärchen mit einer Schneeschippe – von einem Nachbarn ausgeliehen – aufgeschichtet, in der Hoffnung, vielleicht so den Schlüssel doch noch finden zu können – leider ohne Erfolg. Als ich diesen Schneehaufen und die komplette untere Fläche leider ohne Schlüssel fast komplett fertig hatte, kam ein Anwohner, der das Pärchen vom Vorabend bereits kannte und zuvor bereits etwas da war, der sie auch auf die Idee mit einer Metalldetektorsuche überhaupt erst brachte, mit leckeren Nudeln an, die wir zusammen aßen. An dieser Stelle nochmals vielen Dank dafür. Ich wollte zuerst eigentlich gar nichts essen, da ich unbedingt den Schlüssel finden wollte, aber ich hätte wirklich etwas verpasst. Nach der Stärkung habe ich dann meine Suche fortgesetzt. Leider war nach der Nullnummer im vorherigen Bereich nur noch ein recht steiler Hang übrig geblieben. An diesem nicht nur steilen, sondern auch sehr rutschigen Hang war leider ebenfalls kein Schlüssel zu finden, aber dafür einige verbogene, rostige Nägel. Die Stimmung war danach bei uns allen im Keller. Jedoch hatten wir noch einen kleinen Hoffnungsschimmer, einen Schneehaufen, der offensichtlich von dem Schnee des Weges, der an dem Abend, als der Schlüssel verloren wurde, noch nicht geräumt war, aufgehäuft wurde. Es gab zwar Signale, jedoch war der Untergrund aus Stahlbeton und so hatte ich etliche Fehlsignale. Nach kurzer, intensiver Suche im Schneehaufen fanden wir dort auch keinen Schlüssel.


Wir waren bereits im Begriff die Suchaktion zu beenden, vermutlich wurde der Schlüssel überlaufen, oder eine winzige Teilfläche gar übersehen? Entsprechend geknickt liefen wir den Hang hoch und waren nach siebeneinhalb Stunden erfolgloser Suche im Begriff uns zu verabschieden, weil es zunehmend kälter wurde und offensichtlich der Schlüssel trotz intensiver Suche nicht gefunden werden konnte. Ich war mit dem Ergebnis überhaupt nicht zufrieden, aber ich wusste, dass der Schlüssel da irgendwo liegen musste. Wir waren bereits im Begriff uns voneinander zu verabschieden, ich erhielt eine schön geschriebene Dankeskarte mit Fahrgeld für meine Hilfe, dabei kam mir dann doch noch ein kurzer Gedanke in den Kopf. Ich wollte wissen, ob sie sich noch in etwa erinnern könnten, wie sie ungefähr den Weg vom Auto zum Hang gelaufen waren. So ganz genau konnte mir das jedoch nicht mehr mitgeteilt werden.


Für mich war so eine neue Etappe geschaffen (ca. 400-500 Quadratmeter zusätzliche Fläche), ich verabschiedete mich und sagte, dass sie sich keine Sorgen machen sollen, ich werde nämlich so lange nach dem Schlüssel suchen, bis ich ihn gefunden habe, und wenn ich dazu nochmals in den Hang gehen oder die Nacht durchsuchen müsste. Ich habe also weiter meine Bahnen gezogen, diesmal auf der beschneiten Wiese oberhalb des Hanges. Durch den Schnee konnte ich glücklicherweise genau einsehen, wo ich bereits gesucht hatte. Da die Bahn diagonal über die Wiese verlief, war ich nach knapp einer Stunde am äußeren Rand des ersten Hanges angelangt und zur Straße hin war dann nur noch ein kleines Dreieck zur linken der beiden Laternen an der Straße, wo sie vermutlich über die Wiese gelaufen sind. Ich lief also (es war bereits 22:30 Uhr) diese Bahn und überlegte schon, wo ich im Hang noch suchen könnte, als ich am Ende der Bahn, ca. fünf bis sechs Meter von der Straße weg plötzlich ein oberflächliches Signal erhielt, ich habe mich dann in den Schnee gekniet, meinen Pinpointer eingeschalten, der nach kürzester Zeit angeschlagen hatte, ich habe dann in den Schnee gegriffen und etwas längliches in der Hand, das beidseitig abgerundet war. Ich habe den Schnee vorsichtig entfernt und den Schlüssel entdeckt. Im ersten Moment konnte ich es nicht glauben, aber ich habe mich riesig gefreut, einen Freudenschrei raus gelassen und dann ein Foto gemacht und an die beiden weitergesendet. Als ich gerade meine Ausrüstung einpackte, klingelte auch schon mein Handy, am Hörer ein freudiges Pärchen, die tatsächlich schon nicht mehr mit einer positiven Nachricht gerechnet hatten. Wir haben dann vereinbart, dass ich, da ich sowieso durch Ulm zurückfahren müsste, den Schlüssel kurz vorbeibringe.

Als ich dann am Treffpunkt war, wurde ich freudig empfangen, mit einem kalten Getränk, einer schönen Unterhaltung und einem gutgelaunten Pärchen, das sichtlich erleichtert war. Selbstverständlich haben wir dann noch getestet, ob der Funk am Schlüssel überhaupt noch funktioniert, wir liefen zum Auto und tatsächlich funktionierte der Funk noch immer einwandfrei. Ich erhielt dann noch eine Belohnung, für die ich mich nochmals herzlichst bedanken möchte und verabschiedete mich.


Ich konnte im Anschluss überglücklich die Heimreise antreten, mit dem Gefühl etwas gutes getan zu haben, und freue mich sehr, für Ringfinder meine zweite erfolgreich abgeschlossene Suche verbuchen zu können.

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